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Denkmäler sind ortsgebundene Zeichen, die zum Denken anregen. Manche wurden extra zu diesem Zweck gebaut, andere haben sich erst später als historisches Erzeugnis dazu entwickelt. Denkmalschutz trägt so nicht nur zu einer schönen, anregenden und vielfältigen Umwelt, sondern auch zur ästhetischen Erziehung, historischem Bewusstsein und damit zur vertieften Lebensqualität bei.

Denkmal des Monats: Die St. Petri-Kapelle

Für den Monat Mai 2022 hat der Vorstand des Denkmalvereins die Kapelle des Helios Klinikum Warburg, Hüffertstraße 3, ausgewählt aus folgenden Gründen:

  • Das Patrozinium der Kapelle verweist auf eine schon vor der Gründung der Stadt Warburg bestehende Urpfarrei St. Peter, deren am Bittkreuz gelegene Pfarrkirche archäologisch nachgewiesen wurde und die bis 1622 bestand.
  • Die Kapelle ist der letzte verbliebene Rest des 1923-26 errichteten ehemaligen und von der Denkmalfachbehörde als denkmalwürdig erkannten St.-Petri-Hospitals Warburg.
  • Sie erinnert zugleich an die damals sehr enge Verbindung des Warburger Gesundheitswesens mit der katholischen Kirche und dem Orden der damals im Krankenhaus beschäftigten Vinzentinerinnen.
  • Am Sonntag, den 29. Mai 2022, 17:00 Uhr findet in der Kapelle ein Konzert mit dem argentinischen Charango-Virtuosen Diego Jascalevich im Rahmen des Musikfestivals des Warburger Denkmalvereines statt.

Der Vorgängerbau

Grabungsbefunde belegen eine frühe Besiedlung und die frühere Existenz einer Saalkirche von 17,70 m Länge und 8,30 m Breite aus karolingischer Zeit (9.–10. Jahrhundert) im Bereich eines östlich des Hügelplateaus heute noch stehenden Bittkreuzes. Es wird angenommen, dass es sich hierbei um die 1287 erwähnte Peterskirche handelt. Denn um 1017/18 gab es bereits eine dem Apostel Andreas, dem Bruder des Apostels Petrus, geweihte Andreaskirche, die als Eigenkirche der Burg Graf Dodikos auf dem gegenüberliegenden Wartberg lag. Die Lage auf dem Hügel, die Datierung und das Patrozinium weisen darauf hin, dass hier die Urpfarre der gesamten Region vor der Urbanisierung war. Solche auf Hügeln gelegene Peterskirchen aus dem 8.–10. Jh. finden wir u. a. auch auf bei FuldaErfurtEisenachHersfeld und Bonn. Der Hüffertberg war zudem Standort eines noch 1341 belegten Gogerichtes.

1287 verfügte der Paderborner Bischof Otto von Rietberg eine Zusammenlegung der Peterspfarre mit der Warburg-Altstädter Kirchengemeinde, nachdem er deren ehemalige Pfarrkirche St. Maria in vinea dem Dominikanerorden übereignet hatte, gestattete aber den Altstädtern, sich eine neue Kirche zu bauen. Nach Einweihung der neuen Altstadtkirche Mariä Heimsuchung wurde die Peterskirche wieder zur selbständigen Pfarrkirche erhoben und einem bei der Peterskirche vor dem „Westerhagen“ liegenden Hospital zu St. Peter, dessen Provisoren das Patronatsrecht über die Kirche ausüben sollten, inkorporiert. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war dieses Hospital eine Kommende des Johanniterordens und bis 1327 mit der Kommende in Wiesenfeld verbunden. Danach wurden Kirche und Hospital von der Gerichtsbarkeit des Archidiakons eximiert und von zwei Provisoren verwaltet. Auf die Peterskirche verwies auch eine Petrus-Figur über dem im 14. Jahrhundert errichteten Sacktor. Die Kirche wurde mehrfach erweitert und hatte neben dem Hauptaltar einen Heilig-Geist-Altar, einen Altar der Apostel Phillippus und Jakobus, einen Altar der Heiligen Drei Könige und einen Jodokusaltar. Die Bewohner der Hüffert waren im Mittelalter als Minderbürger rechtlich schlechter gestellt als die Bürger innerhalb der Mauern Warburgs, waren aber gleichwohl schosspflichtig. Sie verdienten ihren Unterhalt als Meier der Burgmannschaft, als Badstübner oder in der nahegelegenen Lehmkuhle.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Warburg 1621 und 1622 durch die Truppen des Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel belagert. Dabei wurden am 1. Januar 1622 zunächst 17 Häuser, die Johannismühle und das Siechenhaus zerstört. Anfang März wurde das Warburger Gebiet durch ligistische Truppen unter dem Kommando von Johann Jakob von Bronckhorst-Batenburg zurückerobert und die Stadt besetzt. Um dem Feind bei zukünftigen Angriffen die Deckung zu nehmen, ließ sein Oberst Otto von Blankhart 1622 alle Bäume und Hecken im Umkreis der Stadt abholzen und die noch erhaltenen restlichen Gebäude der Hüffert, darunter die Peterskirche und das Hospital, abbrechen. Die Hüffertbewohner wurden nicht in die Stadt aufgenommen, sondern mussten sich ein Unterkommen in der weiteren Umgebung suchen. Ein Wiederaufbau der Hüffert erfolgte aufgrund der kriegsbedingten Bevölkerungsverluste zunächst nicht. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Flächen ausschließlich gärtnerisch und landwirtschaftlich genutzt.

Neubau 1923-26

Erst ab 1920 erfolgte eine erneute Erschließung und städtebauliche Entwicklung. Entlang des vom Sacktor ausgehenden historischen Stiepenweges und der hierzu rechtwinklig angelegten Hüffertstraße entstand auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters August Dissen ab 1923 ein neues St.-Petri-Hospital, zu dem auch die von innen und außen zugängliche St. Petri-Kapelle gehörte. Nach Durchführung eines Architektenwettbewerbes erfolgte die Planung durch den Architekten Franz Vogt aus Elberfeld. Es entstand eine Anlage im schlichten neobarocken Stil mit einem jedoch relativ freien und funktionalen Grundriss und einer bewegten Dachlandschaft. Dabei wurde die in den Baukomplex teilweise integrierte Kapelle durch große, über zwei Etagen führende Rundbogenfenster, an römischen Barock orientierten Fassadenschmuck im Chorbereich, einem großen, pyramidenförmigen Mansarddach und einem als Glockenturm dienenden Dachreiter mit geschweifter Haube gestalterisch besonders hervorgehoben.

Am 19. November 1926 wurde der drei- bis viergeschossige, mehrflügelige und 92 Meter lange Gebäudekomplex feierlich eingeweiht und in Wiederaufnahme des Patroziniums der 1622 zerstörten Peterskirche St.-Petri-Hospital Warburg genannt. Die Kapelle überstand auch den 2. Weltkrieg und den durchgreifenden Erweiterungsumbau des Krankenhauskomplexes 1973. Lediglich die Orgel wurde ca. 1975 ausgebaut und in die Aula des städtischen Gymnasium Marianum wieder eingebaut.

1994 forderte der Landeskonservator des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in einem amtlichen Schreiben die Stadt dazu auf, trotz der erheblichen Beeinträchtigungen und Schäden, die der Altbau des St.-Petri-Hospitals durch den Erweiterungsumbau erlitten hatte, ihn in die von der Kommunen als Untere Denkmalschutzbehörde geführte Denkmalliste aufzunehmen. Der damalige Bürgermeister Paul Mohr kam jedoch dieser Aufforderung nicht nach.[3]

Privatisierung 2008, Krankenhausabbruch und Kapellensanierung 2014

Im Mai 2008 verkaufte der Krankenhauszweckverband Warburg seine Geschäftsanteile an die Rhön-Klinikum AG mit Sitz in Bad Neustadt, die anschließend alleinige Gesellschafterin der GmbH war. Die Käuferin versprach, den Erweiterungsbau von 1973 aufgrund zurückgegangenen Bedarfs und seiner gravierenden funktionalen und städtebaulichen Mängel vollständig abzubrechen und durch einen städtebaulich angepassteren Neubau zu ersetzen, den Altbau von 1926 jedoch zu erhalten und zu sanieren.

Am 24. Dezember 2010 stellte der neue Träger einen Bauantrag zu einem Vorhaben, das in einem ersten Bauabschnitt einen Krankenhausneubau für 160 Betten und 20 Intensivbetten im derzeitigen Krankenhausgarten vorsah. In einem zweiten Bauabschnitt sollten alle Altbauten abgebrochen werden. Anstelle des Altbaus von 1926 sollte ein neuer Facharzt-Komplex entstehen.[4] Gegen den Abriss des Altgebäudes wandte sich der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, vertreten durch den Landeskonservator Markus Harzenetter, der von den Abrissplänen durch einen Hinweis aus der Bürgerschaft erfahren hatte und forderte die Stadt erneut auf, den Altbau in die Denkmalliste einzutragen. Unter Druck der Rhön-Klinikum-AG setzte der Bürgermeister Michael Stickeln durch, dass sich der Warburger Stadtrat am 18. Januar 2011 trotz fehlender Zuständigkeit einstimmig gegen eine Eintragung in die Denkmalliste und für einen Abbruch entschied. Aufgrund der Differenzen zwischen Fachbehörde und Vollzugsbehörde kam es zu einem Ministerentscheid, der vom damaligen Bauminister Harry Voigtsberger gegen die Denkmalpflege entschieden wurde.[5]

Am 1. September 2011 erfolgte der symbolische Spatenstich für einen Neubau des Hospitals. Zum 18. April 2014 wurde das Krankenhaus von der Helios-Kliniken GmbH übernommen.[9] Der Altbau von 1926 und der ehemalige Erweiterungsbau von 1973 wurden im Herbst 2014 abgerissen. Lediglich die Petri-Kapelle blieb erhalten und wurde als freistehendes Gebäude erneuert. Danach wurde sie am 10. Februar 2016 wurde in die Liste der Baudenkmäler in Warburg eingetragen.

Literatur

  • Heiko BewermeyerDie Warburger Petristiege, Warburg 2017
  • Hubert Clausmeyer u. a.: St. Petri-Hospital Warburg in Westfalen, Warburg 1973.
  • Franz MürmannDie historische Entwicklung der Stadt Warburg seit der ersten preußischen Inbesitznahme im Jahre 1802/03 bis zur Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949. In: Franz Mürmann (Hrsg.): Die Stadt Warburg. 1036–1986. Beiträge zur Geschichte einer Stadt. Band 1. Hermes, Warburg 1986, ISBN 3-922032-06-0, S. 297–388.
  • Paul SellmannSt. Petri-Hospital – Ziel ist die optimale Krankenversorgung in: 950 Jahre Stadt Warburg, hg. von der Stadt Warburg, Hermann-Hermes-Verlag, Warburg 1986, ISBN 3-922032-05-2

Weblinks

Denkmalliste bei Wikipedia

Die Liste aller Baudenkmäler der Stadt Warburg bei Wikipedia wird durch uns ständig aktualisiert und kann auch von Ihnen zum Beispiel durch Einzelartikel über Baudenkmäler weiter ausgebaut werden. Besonders würden wir uns über Ihre Fotos von bisher noch nicht mit einem Bild versehenen Denkmälern in der Liste freuen, die einfach bei Wikimedia Commons hochgeladen werden oder uns zur Verfügung gestellt werden können. Der Name des Fotografen würde selbstverständlich in Veröffentlichungen genannt.

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Elmar Nolte

(Vorstandsmitglied)